GEOBIT Ingenieurgesellschaft mbH

Seidenweberei Schiefbahn

vorgelegt von Stadt Willich, DJS GmbH und GEOBIT Ingenieurgesellschaft mbH

Bei dem Objekt handelt es sich um eine 42 ha große, innerörtliche Industriebrache in Willich, die das westlich liegende parkahnliche Gelande des Sankt-Bernhard-Gymnasiums mit der östlich und südlich angrenzenden vorhandenen Wohnbebauung der Ge­mein­de Schiefbahn verbindet. Auf dem Gelande befand sich von 1889 bis 1997 eine Seidenweberei (Vereinigte Seidenwebereien VERSEIDAG AG, Krefeld, www.verseidag.de) mit Europas größtem Websaal (1,5 ha), einem eigenen E-Werk (1898 bis 1954) und eigener Straßenbahntrasse (1910 bis 1961). Nach 1997 verschiedene Eigentümer, Stilllegung, Leerstand, Vandalismus. Seit 1988 befinden sich das Kutscherhaus, Kesselhaus und die Verwaltungsgebaude unter Denkmalschutz.

Nach der Betriebsaufgabe Ende der 1990er Jahre gab es diverse Interessenten, die eine Neunutzung des Gelandes anstrebten.
Die Anfragen scheiterten u.a. aufgrund des vorhandenen LCKW-Grund­was­serschadens (Belastung bis ca. 3.500 μg/l LCKW) und der damit verbundenen rechtlichen Probleme beim Erwerb des Areals. Erste Sanierungsmaßnahmen in der Mitte der 1990er Jahre scheiterten unter anderem wegen technischer Probleme. Auf Basis einer grundsatzlichen technischen Neuausrichtung des Sanierungskonzeptes durch die GEOBIT Ingenieurgesellschaft mbH begann die Sanierung des Grund­was­ser­scha­dens im Jahr 1999 durch die VERSEIDAG AG.

Mit der für die Neunutzung im Jahr 2002 durchgeführten Gefahrdungsabschatzung des Gesamtgelandes wurden nutzungsbedingte Bodenbelastungen mit Schwermetallen und PAK sowie bislang nicht erkannte Bodenbelastungen mit LCKW festgestellt. Der Umfang der LCKW-Grundwasserbelastung war zu diesem Zeitpunkt bereits abschließend bekannt.

Die Absicht des neuen Eigentümers, der DJS GmbH ( www.seidenweberei.info), Neuss, als Bau­tra­ger­ge­sell­schaft war es, in Abstimmung mit der Stadt Willich (www.stadt-willich.de), unter Erhalt der denkmal­ge­schütz­ten Bausubstanz wie Verwaltungsgebaude, Kutscher- und Kesselhaus, eine Umnutzung zu Wohn- und Gewerbezwecken zu entwickeln. Die Erarbeitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans erfolgte 2002. Parallel hierzu wurde zur Sicherung der bodenschutzrechtlichen Anforderungen an die Neunutzung der inzwischen durch die GEOBIT Ingenieurgesellschaft mbH erarbeitete Sanierungsplan gemaß § 13 BBodSchG von der unteren Bodenschutzbehörde des Kreises Viersen (www.kreis-viersen.de) für ver­bind­lich erklart. Ziel war der Erhalt der "Geschichte der Flache" mithilfe eines behutsamen Rück- und Umbaus.

Der Rückbau und die Bodensanierung wurden durch die GEOBIT Ingenieurgesellschaft mbH geplant, koordiniert und gutachtlich begleitet. Erste Rückbaumaßnahmen und der Abriss des Web­saales fanden 2002/2003 statt. Mit einem umfangreichen Bo­den­sa­nie­rungs­management wurden dabei 5.000 m3 Bauschutt entsorgt bzw. für Verkehrsflachen recycelt. Im Bereich der Ketten­wasch­platze erfolgte ein Austausch von ca. 480 t LCKW-belas­tetem Boden, am alten Wasserturm wurde erfolgreich eine Bo­den­luftsanierung durchgeführt. Die weiterhin laufende GW-Sanierung wurde in die Neunutzung integriert. Bislang wurden über 200 kg an LCKW aus dem Grundwasser entfernt.

Über den Stand der Maßnahmen wurde die Öffentlichkeit kontinuierlich informiert, das Gelande beispielsweise auch für den "Tag des Denkmals" geöffnet.

Die Vermarktung der Flachen wurde im Jahr 2008 erfolgreich abgeschlossen: Auf dem Areal entstand eine neue 12,75 ha große Wohn-/Nutzflache mit 84 Wohneinheiten und 5 Gewer­be­ein­hei­ten. Das städtebauliche Konzept wurde durch HJP Planer, Aachen (www.hjpplaner.de) entwickelt. Die architektonische Umsetzung des Projektes erfolgte durch hopp klebach architekten, Neuss (www.hoppklebacharchitekten.de). Der historische Baubestand konnte größtenteils erhalten bleiben. Die Ausmaße des ehe­mali­gen Websaals sind weiterhin durch Seitenmauern erkennbar, die alten Gussstützen blieben z. T. für Carports der Einfamilien- und Doppelhauser erhalten. Zu dem Denk­mal­bereich der direkt benachbarten ehemaligen Arbeitersiedlung der VERSEIDAG AG wurde eine Verbindung geschaffen. Die Sicherung historischer Strukturen in Verbindung mit neu geschaffener Wohnbausubstanz innerhalb des Firmenareals ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Flachenrecyclingmaßnahme. Für das Gesamtprojekt wurden keine Fördermittel der öffentlichen Hand in Anspruch genommen. Die Finan­zie­rung erfolgte aus­schließ­lich durch die DJS GmbH (Rückbau, Bodensanierung, Neuerschließung) und die VERSEIDAG AG (Grundwasserschaden).

Die Seidenweberei heute